Hmm.
Als ich heute Mittag zur Bushaltestelle ging, war die Hochbrücke gesperrt. Jemand wollte runterspringen.
Zwar habe ich keine Ahnung, wer die Person war, aber irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl, dass das Leben einfach so an mir vorbeizieht. Jeder leiert seinen Alltag runter, hat seine Freuden und Problemchen - aber im grossen und ganzen kratzts niemanden.
Ich habe die Situation von einem kalten Standpunkt aus betrachtet (unbewusst) . Es geht mich nichts an, aber trotzdem fragte ich mich, was wohl in diesem Menschen vorgeht. Wann der Punkt erreicht ist, an dem man das Leben nicht mehr erträgt.
Ich war noch nie so weit - und doch habe ich eine Art Verständnis. Ich finde es nicht richtig, dass Polizei, Psychologen und Feuerwehr sie vom Springen abhalten wollten. Klar, sich in der Öffentlichkeit umzubringen (und dazu den Verkehr zu blockieren) ist eine Sauerei - aber die Entscheidung, ob man sein eigenes Leben weiter leben will oder nicht, sollte man doch jedem selbst überlassen.
Jedenfalls ist mir eines sehr viel stärker bewusst geworden - ich will nicht Tage voller Leere, Abwesenheit. Es sind vergeudete Momente. Vermeiden können werde ich sie kaum; aber warum in einer Seifenblase leben, wenn ich das Leben direkt berühren kann?
Musik: Smashing Pumpkins - Disarm
Gemüt: Okay.
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Tags: alltag, leben, leid, menschen, tod
Denkst du wirklich, dass es jedem selbst überlassen ist, über sein Weiter- oder eben nicht Weiterleben zu bestimmen? Ich geb dir zwar recht - die Pozilei oder sowas ist da wohl die letzte Instanz, die über irgend einen Menschen entscheiden kann… Ist nicht ihre Aufgabe, Moralapostel zu spielen. Aber ich bin der Meinung, dass man selbst zwar sehr vieles in der Hand hat, man aber nicht sein Ableben in der Hand haben sollte. Ich halte das für anmassend und feige.
Ich halte es nicht für feige. Nur schon meine Erlebnisse und meine Erfahrungen zegen mir, dass ein Mensch gehen dürfen soll, wenn er es will. Wenn er keinen anderen Weg mehr sieht.
Anmassend - weil es den Mitmenschen weh macht, meinst du das? Ich weiss nicht. Je nach dem könnte ich mit einem Suizid besser umgehen als mit Tod durch einen Unfall oder eine Krankheit. Klar, vielleicht würde ich es nicht verstehen, aber der- oder diejenige wollte es so; und der Tod ist nunmal das letzte, worüber wir selbst entscheiden können … Wenn wir wollen …
Ich finde es einfach nicht richtig, jemanden an einem Ort zu behalten, an dem er nicht sein will; wo er nicht hingehört, kein “Zuhause” findet.
Das ist Qual.
Das einzige, was ich wirklich für anmassend halte, ist eben solches Zeug wie letzten Freitag … Wenn mans in aller Öffentlichkeit tun muss. Klar, die Menschen werden dieser Person wahrscheinlich egal gewesen sein, vielleicht hasst sie sie sogar - aber okay ist es trotzdem nicht (vor allem befindet sich die Brücke neben einem Primar-/Sekundarschulhaus).
Ich will natürlich nicht das Leid vieler Menschen herunterspielen. Ich weiss dass es viele Leute mit ernsthaften Problemen gibt und Depressionen, unlustige Dinge… Und doch finde ich es nicht ok, davonzurennen.
Das ist jetzt natürlich auch eine Sache des Glaubens und der Einstellung, ich mein, einem Atheisten muss ich mit diesen Argumenten natürlich nicht kommen… Aber ich glaube, dass man leiden muss, dass das Leid zum Leben dazugehört. Da gibt es Menschen, die mehr, andere, die weniger leiden. Und wenn man’s bedenkt, hatte es dieser Mensch, der sich von der besagten Brücke werfen wollte, garantiert besser als Millionen von Menschen in Afrika oder so ähnlich… Die Leute krepieren dort vor Hunger. Trotzdem bringen sie sich nicht um. Hier haben wir unsere Grundbefürnisse und vieles weit darüber hinaus gestillt, und doch können wir nicht zufrieden sein… Das ist natürlich weniger ein Vorwurf an den einzelnen, der oft nicht viel dafür kann, sondern an die Gesellschaft… Aber die tut ja nichts, wie auch, sie besteht ja doch wieder aus den Einzelnen.
Wie auch immer, was ich eigentlich sagen wollte ist dass ich es nicht für richtig halte, über seinen eigenen Tod zu entscheiden, weil das nicht in unseren Aktivitätsbereich gehört, sozusagen… Wie du sagst, “der Tod ist das letzte, worüber wir selbst entscheiden können” - Wir können es natürlich, aber wir dürfen es nicht, wie ich finde. Deshalb anmassend. Wobei wir wieder bei der Glaubenssache angelangt wären.
Und weiter mit Glaubenssache; ich glaube an Reinkarnation zu glauben (bin mir aber auch nicht mehr sicher, aber das ist was anderes) und in diesem Rahmen macht Suizid sowieso keinen Sinn, weil’s damit halt trotzdem nicht zu Ende ist.
Sehr wirr, das Ganze, entschuldige, ich finde es schwierig, mich zu diesem Thema zu erklären, zumal es eben in einen Glaubensbereich geht in dem ich auch niemanden bekehren sondern bloss meine Meinung ausdrücken will.
Bist du auch gegen freies Sterben, wenn man z.B. krank ist? MS oder so.
Würde zwar nichts am Prinzip ändern … Aber ist ja ähnlich wie der Hunger: Man kann nichts dafür und nichts dagegen.
(Ich bin Agnostiker - aber auch als Buddhist (oder so) würde ich doch nur mein jetziges Dasein beenden - und mich im nächsten nicht mehr daran erinnern? Das wär ja krass scheisse sonst.)
Na ja, ist glaub ich eh ein Thema, bei dem man sich im Kreis dreht … Ich bin z.B. für aktive Sterbehilfe, ein anderer sagt das ist Mord …
Das find ich schwierig. Einerseits ist es schon verständlich, dass man mit Schmerzen nicht noch jahrelang weiterleben will wenn man eigentlich nicht mehr richtig leben kann.
Aber irgendwie steht das auch für unsere verdorbene Gesellschaft. Hört sich blöd an. Früher sind die Menschen einfach gestorben an einer Krankheit oder so, und heute werden wir einfach ungesund und siechen vor uns hin… Ach, ich weiss nicht. Ich verurteile die Leute nicht, die das machen wollen. Aber ich selbst würds sicher nicht tun.
Das mit dem jetzigen Dasein beenden macht für einen Buddhisten keinen Sinn. Es geht ja darum, sich weiterzuentwickeln. Und Leid gehört zu dieser Entwicklung dazu, man muss lernen, das Leid zu akzeptieren als Teil seines Lebens. Ausserdem ist man für jedes Leid irgendwo selbst Schuld. Wie wenn man raucht und dann Lungenkrebs bekommt. Und es ist alles psychosomatisch. Oft sieht man nicht “wegen welchem Fehler man krank wird”, aber es ist jedenfalls so. ^^
Wie auch immer, Suizid ist Flucht vor dem Leid, man kann sich zwar nicht mehr daran erinnern im nächsten Leben, aber solch eine Tat wirft einen in der Entwicklung zurück und es wird sowieso zurückkommen im nächsten Leben, einfach in anderer Form.
Ist alles viel gesamtumfassender, nicht so weltlich.
Hört sich strange an, ist aber so, nach meinem Wissensstand. ^^
Aber jo, es ist so, man kann nicht über solche Dinge diskutieren ohne gleiche Grundlage, sozusagen.